Südtiroler Skitouren – Stotz 2.887 m

Unserem treuen Wohnmobil Liesl gefiel der Stellplatz im Schnalstal wirklich gut. So wollten wir dem Gefährt natürlich nicht den Spaß verderben und dort noch einige Nächte verbringen. Auch die Lawinensituation zeigte sich stabil und die nächsten Tage würden sich höchstwahrscheinlich auch nicht verändern. Beste Voraussetzungen für weitere Skitouren im Schnalstal, so dachten wir.

Leider hielt sich das Wetter schon am Tag nach Skitour auf dem „Im hinteren Eis“ nicht mehr an den Wetterbericht. Prognostiziert waren 8 Stunden herrlichster Sonnenschein ohne ein Wölkchen am Himmel. Doch am Morgen wachten wir in einer herrlichen Nebelsuppe in Kurzras auf. Na toll, die Laune bewegte sich schon wieder in den Keller. Die geplante Skihochtour auf einen weiteren Dreitausender konnten wir vergessen. Im Nebel über den Gletscher irren, ist jetzt nicht so die geniale Idee, wenn man die Route nicht gut kennt.

So beschlossen wir, etwas gefrustet, erstmal schön zu frühstücken und mal ein Stündchen abzuwarten. Schließlich sind wir Frühaufsteher und vielleicht erinnerte sich das Wetter doch noch an seine Vorhersage und der Nebel und die Wolken würden sich verziehen. Abermals wurde unsere Hoffnung zunichte gemacht. Leichter Unmut machte sich im Wohnmobil breit, dennoch wollten wir einfach nicht aufgeben. Wir hatten schließlich nicht den Dolomiten den Rücken gekehrt, nur um dann im Schnalstal in Südtirol im Neben zu hocken und keine Skitour zu machen. Da hätten wir auch, trotz hoher Lawinenstufe, in den Dolomiten bleiben könne. Also, es musste eine Alternative her. Die mitgebrachte Literatur gewälzt, fanden wir zügig eine andere Tour.

Alternative: der Stotz 2.887m

Auf den Stotz sollte es gehen. Kurz vor Kurzras gelegen, überschaubare Skitour mit knappen 1000 Höhenmeter und kein Gletscherkontakt. Passt doch…

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Kurzras im Schnalstal
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Schneise am Beginn des Hangs

Schnell die Sachen gepackt und los. Die Tour beginnt eigentlich bei den Köflhöfen, circa 1 Kilometer vor Kurzras gelegen, aber zum Glück gab es den Winterwanderweg, der direkt dort vorbei führte. So mussten wir zu aller erst, wie am Vortag, Richtung „Ortsmitte“ mit den geschulterten Skiern laufen. Im Bereich des Lazauner Teils des Skigebiets des Schnalstaler Gletschers, sprich dem linken kleinerem Teil, schnallten wir an der Brücke, welchen den Übergang der „Ortsmitte“ zur Skipiste markiert, die Skier an. Über den unteren Teil der L1-Piste ließen wir die Gondelbahn Lazaun rechts liegen und folgten weiter dem Winterwanderweg Richtung Vernagt. Da an diesem Morgen noch nicht viele Wanderer dort unterwegs waren, konnten wir in aller Ruhe bis kurz oberhalb der Köflhöfe rutschen. Zumindest der tiefhängende Nebel hatte sich mittlerweile verzogen, nur noch die Bergspitzen verschwanden in dichtem Weiß. Wir fellten auf und begannen mit dem Aufstieg durch den Wald.

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Einstiegshang in der Schneise

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Ich muss ja zugeben, dass wir uns recht häufig mal verlaufen. Zum Glück besitzen moderne Handys alle GPS und Apps mit dem passenden Kartenmaterial, was uns erleichtert zurück auf den Weg zu finden. An diesem Tag schafften wir es zu anfangs nicht zurück auf die beschriebene Route zu finden. Alsbald viel dadurch die Entscheidung durch eine Schneise im Wald, etwas rechts oberhalb der Höfe, aufzusteigen. Die Suche nach dem Weg im dichtem Wald wäre einer Suche nach der Nadel im Heuhaufen gleichgekommen. So spurte Stefan fröhlich den circa 30 Grad steilen Schneisenhang vor und ich schlurfte hinterher. Nach einer knappen halben Stunde verließen wir die dicht stehenden Bäume und betraten die erste Hochebene. Von der Ebene querten wir wieder nach links, denn der Weg sollte um die linke Flanke des Berges verlaufen. Das Glück war uns hold und wir fanden zügig zurück auf den Weg Nr. 5 folgten diesem weiter bergauf.

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Zurück zum Aufstiegsweg entlang der Nr. 5
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Unberührte Landschaft

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Immer spärlicher wurden die Bäume je weiter wir die Flanke umquerten. Als bald war die Bergflanke umrundet und wir erreichten das Ende der Vegetation. Durch eine Rinne stiegen wir weiter auf bis sich vor uns eine Art weitläufiges Hochplateau mit sanften Anstieg eröffnete. Hinter dem Plateau bäumte sich der steile Gipfelanstieg auf. Pünktlich zur Ankunft auf der Ebene erinnerte sich das Wetter an die prognostizierten 8 Sonnenstunden, die Wolkendecke riss auf und es herrschte strahlender Sonnenschein. Schnell begannen wir zu massiv zu schwitzen als wir das Plateau passierten.

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Rinne vorm letzten Hochplateau

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Wie in Norwegen

Der Schnee glitzerte in der Sonne und unter uns im verschneiten Tal lag der Vernagter Staussee, einem norwegischen Fjord gleich. Ich war zwar noch nie zum Skitouren in Norwegen (steht definitiv schon auf der Bucket List), aber so stelle ich mir das vor. Weitläufige Anstiege und im Tal glitzert das Wasser in der Sonne. Berauscht vom Anblick und mittlerweile ziemlich durchgeschwitzt näherten wir uns dem Gipfelanstieg. Der Schnee auf der Hochebene hatte sich bisher als Bruchharsch erwiesen. Mal schauen, welche Verhältnisse der letzte Aufschwung bieten würde.

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Aufs Hochplateau
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Wie in Norwegen

Tja, der letzte Anstieg machte es uns noch ganz schön schwer. 30-35 Grad steil und reiner vereister Firn, bääähhh. Wir wechselten uns mit dem Spuren seit Beginn der Hochebene ab. Stefan hatte so das letzte Stück unterhalb des Gipfels gewonnen und entschied sich die letzten Höhenmeter auf dem Bergrücken linker Hand des Gipfels zu erklimmen. Dort war es zwar nur 30 Grad steil, dafür umso eisiger. Nur nicht ausrutschen, es wäre auf der einen Seite den Steilhang nach unten gegangen. Die beiden anderen Seiten der Flanke zeigten sich nicht minder unfreundlich mit viel Eis und großen Steinbrocken. So kam zur Hitze von der Sonne noch der Angstschweiß hinzu.

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Gipfelanstieg

Nach einer gefühlten Ewigkeit, welche allerdings doch nur 15 Minuten gewesen waren, erreichten wir den Gipfel des Stotz auf 2.887 m. Jippie, geschafft! Aber… wieder mal kein Gipfelkreuz, nur ein kleiner Steinhaufen. Wurst, egal, Hauptsache erstmal kurz Pause, hinsetzten, was trinken und vor allem die Aussicht genießen.

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Letzte Meter bis um Gipfel
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Saldurspitze 3.433m
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Blick ins Schnalstal

Die Ötztaler Alpen erhoben sich schneebedeckt und glitzernd gegen den herrlich blauen Himmel. Der nicht stark gefüllte Vernagter Staussee lag immer noch fjordähnlich im Tal, einzig der Gipfel des Similaum versteckte sich hartnäckig in den einzig verbliebenen Wolken. Der „Im hinteren Eis“, welchen wir am Vortag bestiegen hatten“, trohnte über dem Skigebiet des Schnalstaler Gletschers.

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Ausblick vom Gipfel des Stotz 2.887m

Abwärts geht’s

Leider konnte man ja nicht ewig oben bleiben, und so begannen wir schweren Herzens mit der Abfahrt. Zunächst querten wir vom Gipfel aus nach rechts auf eine Art Vorgipfel um den steilsten Teil des Gipfelhangs etwas zu umgehen. Von dort fuhren wir im steilen Harsch ab. Kurz bevor wir das Hochplateau erreichten verwandelte sich der rein vereiste Harsch in Bruchharsch, sodass wir unsere Skier durch den bis zu knietiefen Schnee zwingen mussten. Am Ende der Ebene brannten die Oberschenkel.

Nach der Rinne weichte der Bruchharsch zum Glück etwas auf, sodass das Schwingen durch die Bäume an der Waldgrenze ganz gut ging. Diesmal verpassten wir nicht den Weg Nr. 5 und fuhren so entlang des Waldes ab. Der Schnee war dort ganz schön zusammengeschoben, sodass man teilweise über den erdigen Boden fuhr. Die letzten Höhenmeter verliefen über den Wanderweg, der stellenweise sehr vereist und nur ein bisschen über einen Meter breit war. Die Enden der Skier hingen immer wieder in Luft über den steilen nach rechts abfallenden Hang als wir den Weg hinunter rutschten. Stefan zog die Abfahrt knallhart bis zum Ende durch, ich dagegen schnallte die letzten 50 Höhenmeter ab und trug meine Skier ins Tal. Das war mir dann doch etwas zu luftig hinten rum. An den Köflhöfen angekommen überraschten wir einige Winterwanderer als wir aus dem Wald gefahren kamen.  Zum Schluss nochmal die Felle aufgezogen und über den Winterwanderweg zurück nach Kurzras gelaufen.

Fazit zur Skitour auf den Stotz (2.887 m):

Schöne überschaubare Skitour auf einen Gipfel kurz vor Kurzras im Schnalstal. Durch den Beginn der Tour in Kurzras knackt man dann auch die 1000 Höhenmeter 😉 Sobald man den Wald verlässt, bietet sich eine landschaftliche tolle Tour über die Hochebene. Mit dem Stausee im Tal bekommt man schnell das Gefühl in Norwegen zu sein. Der Gipfelhang ist nochmal anstrengend, man wird aber durch den Ausblick vollkommen entlohnt. Falls genug Schnee vorhanden ist, so kann man auch die Nordwand Richtung Lazauner Teil des Skigebietes Schnalstaler Gletscher abfahren, dann spart man sich ein ordentliches Stück an Rückweg und vorallem die Abfahrt durch den Wald entlang der Aufstiegsroute. Mit der Verbindung über den Winterwanderweg ist der Tourenstart auch von Kurzras problemlos möglich.

Daten & Fakten: 

  • Strecke: 9,85 km
  • Dauer: gesamt 4:19 Std, Aufstieg 3:05 Std, Abfahrt 1:14 h (reine Gehzeit, Pausen rausgerechnet)
  • Höhenmeter: 1013 m
  • GPS-Track: Bergfex.de
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Obligatorisches Gipfelselfie aufm Stotz 2.887m

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