Südtiroler Skitouren – Im Hinteren Eis 3.270m

Die Lawinenstufe in den Dolomiten sollte weiterhin auf einer hohen Stufe bleiben, so siedelten wir mit unserem treuen Wohnmobil wieder nach Südtirol um. Dort herrschte seit einigen Tagen eine niedrigere und für uns akzeptable Lawinensituation. Wir liesen das herrliche Panorama der Dolomiten hinter uns und tauchten ins frühlingshafte Tal um Meran ein. Kein Weiß dominierte mehr die Landschaft, nein, es zeigten sich Braun- und Grüntöne in allen Nuancen. Die Temperaturen lagen weit über Null Grad und die Sonne strahlte kräftig vom Himmel. Grandioses Frühlingswetterchen!

Wir passierten Meran und bogen ins Schnalstal ab. Je höher uns die Straße führte, desto mehr fielen die Temperaturen unter den Gefrierpunkt und es gesellte sich abermals der heißgeliebte Schnee hinzu. Mit Vernagt hatten wir schon im Juli letzten Jahres Bekanntschaft gemacht, denn dort endet die Alpenüberquerung von Oberstdorf nach Meran über den europäischen Fernwanderweg E5. An diesem Februartag empfing uns nicht der tiefblaue Stausau, sondern ein schneebedecktes Becken, in dem kaum Wasser stand. Allerdings war nicht Vernagt unser Ziel, sondern dieses lag noch ganze sieben Kilometer weiter taleinwärts.

Es folgten noch einige Kurven und schon hatten wir Kurzras, oder auch auf italienisch Maso Corto, erreicht. Eigentlich besteht das „Dorf“, wenn man es überhaupt so nennen konnte, nur auch den Lift- und Hotelanlagen mit zugehörigen Parkplätzen. Dazwischen verstecken sich der Ötzi-Supermarkt und eine kleine Après-Ski-Bar. Linker Hand am Ortseingang lag der Caravan Park Schnals. Der Wohnmobilstellplatz bietet Platz für 90 Mobile mit Sanitäranlagen (WC, Dusche, Abspülraum, Waschmöglichkeiten) und kostenlosem W-Lan. Einfahren kann man zum Glück 24 Stunden. Preise variieren von 25-31 € pro Tag und bezahlt wird am Parkautomaten, der auch EC-Kartenzahlung anbietet.

Natürlich waren wir nicht allein auf dem Platz. Es befanden sich schon fünf weitere richtig große Wohnmobile dort, sodass sich unsere Liesl doch etwas mickrig vorkam. Dennoch genoß unser Womo die herrlich strahlende Sonne, sodass wir den Ankunftstag erstmal mit Sonnen und Flanieren zum Ötzi-Supermarkt verbrachten.

Am nächsten Morgen war von der schönen Sonne nichts mehr geblieben, denn sie versteckte sich hinter einer dicken Wolkenschicht. Auch die Webcams zeigten in den oberen Bereichen des Schnalstaler Gletschers eine dicke Nebelsuppe. Daneben waren die Temperaturen über Nacht weitergefallen und wir erwarteten keine Besserung der Verhältnisse im Laufe des Tages. Einziger Lichtblick, der Lawinenlagebericht, der weiterhin eine stabile Lawinenwarnstufe 2 prognostizierte. Nichts desto trotz, es gibt ja bekanntlich kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung. Wir schmissen uns einfach in die wärmeren Skitourenklamotten und schon ging’s los. Erstmal schulterten wir die Skier und begannen unseren Marsch durch ganz Kurzras, was in circa fünf Minuten durchquert war. Am nördlichen Ortsende liesen wir den Parkplatz hinter uns und schnallten die Skier an. Der Weg führte uns durch die Rinne, in der die geplante Talabfahrt Nr. 3 in Zukunft liegen soll, bergauf. Durch Bruchharsch bannten wir unseren Weg die Rinne hinauf.

Die umliegenden Bergspitzen versteckten sich weiterhin im Nebel. Es gab erstmal nicht viel zu sehen. Urplötzlich querten dann mehrere Gämsen unseren Weg. Die knapp 10 Tierchen liessen sich nicht von uns Tourengehern aus der Ruhe bringen. Ein Teil blieb einfach bei einem kleinen Busch stehen und fraß erstmal in aller Ruhe. Das es so ungewollt zum Fotomodell wurde, interessierte die Gämse wenig.

Am Ende der Rinne querten wir nach rechts, rutschen unterhalb des Sessellifts „Roter Kofel“ bis auf die Piste der Talabfahrt Nummer 2. Auf der Piste liefen weiter bis zur Teufelsegghütte. Es wehte ein eisiger Wind, der sich fies durch die Softshellklamotten frass. Zuvor war uns der Wind in der geschützten Rinne nicht so arg aufgefallen. Bei einem kurzen Stopp an der Hütte zogen wir noch eine Schicht Hardshellklamotten über. Besser, aber auch nicht ideal. Schnell weiter, bevor es noch ungemütlicher werden sollte und man total auskühlte.

Die Talabfahrt Nummer 1, ebenfalls als schwarze Piste deklariert, führte uns rechts der Hütte weiter bergauf. In einer links Kurve verjüngte sich die Piste zu einem schmalen unübersichtlichen Streifen. Es kamen uns zum glücklicherweise nur vereinzelt Skifahrer dort entgegen aufgrund der schlechten Wetterverhältnisse. Die Engstelle überwanden wir schnell und ohne Vorkommnisse.

Plötzlich riss die Nebelbank auf und wir erblickten den oberen Teil des Schnalstaler Gletscherskigebiets, welches in dort in die sanft auslaufende Landschafts des stark zurückgegangenen Gletschers eingebettet war. Der Schnee glitzerte im Schnee und wir konnten bis weit in die Ötztaler Alpen sehen. Umwerfend! Leider pfiff der bissig kalte Wind noch stärker als bisher. So beschlossen wir, nach links zur Hütte „Schöne Aussicht“ weiter aufzusteigen. Wir wollten uns dort bei einem Mittagessen aufwärmen, denn die Mägen knurrten aufgrund der angebrochenen Mittagszeit.

Die Hütte lag auf einem Aufschwung, sodass die dorthin verlaufende Piste im windstillen Bereich lag. Augenblicklich brachte uns die strahlende Sonne ganz schön ins Schwitzen. So waren wir ganz schön durchnässt als wir die Hütte erreichten. Endlich Pause, endlich essen! Der riesige Kaiserschmarrn auf Hütte entpuppte sich als ein Gedicht. Auch das Schnitzel war aussergewöhnlich schmackhaft. Die Wärme breitete sich von der Magengegend wollig im ganzen Körper aus und verlieh uns neue Kräfte. Hochmotiviert fällten wir die Entscheidung die Tour nachmittags noch weiterzuführen und unseren Weg fortzusetzen.

Kurz beim Hüttenwirt über die Verhältnisse auf dem Weg zum Gipfel des „Im hinteren Eis“ informiert und schon folgten wir wieder der Piste bergauf. Der Wanderweg wäre direkt von der Hütte aus über die Bergflanke verlaufen. Dort zeigten sich die Schneeverhältnisse aber recht abgeblasen. Nach dem die Zufahrtspiste zur Hütte wieder auf die große Piste traf, bogen wir nach links auf die Bergflanke ab. Dort reihte Steinmännchen an Steinmännchen und markierten so de Weg zum Gipfel. Auch hier war der Schnee verblasen und häufig zeigte sich nur Firn auf dem Untergrund. Gemütlich liefen wir gen Gipfel.

Kurz unterhalb des Gipfels steilte der Weg nochmal kurz auf, was die letzten Meter dann ein paar Spitzkehren erforderte. Die aller letzten Schritte gingen wir auf einem sehr schmalen Grat, was nichts für schwache Nerven ist. Eigentlich hätten wir auch die Skier einige Meter unterhalb des Gipfels auf einen kleinen Plateau als Skidepot lassen können, aber wir hatten die letzten Meter einfach keine Lust mehr abzuschnallen.

Schließlich war das schmale längliche Gipfelplateau, auf die österreichisch-italienische Grenze verläuft, erreicht. Den höchsten Punkt markierte leider kein Gipfelkreuz, lediglich eine Metalstange wies darauf hin. Der Ausblick bis tief in die Ötztaler Alpen, auf den Similaun und nach Italien entschädigte aber alles. Die umliegenden Ferner glitzernden in der Sonne. Wäre der kalte Windzug nicht gewesen, wäre es sehr heimelig auf 3.270 Meter gewesen. Einige Gipfelfotos später fiel zügig die Entscheidung mit der Abfahrt zu beginnen.

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Gipfelausblick nach Nordwest
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Blick nach Südost ins Schnalstal
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Blick nach Süden

Die paar Meter auf dem schmalen Grat liefen wir zu Fuß und schnallten kurz unterhalb des Gipfels die Skier wieder an. Auf fast reinem hart gefrorenen Firn mit immer wieder eingewehten Triebschneestellen fuhren wir den Aufstiegsweg ab. knapp unterhalb der Bergstation des Lifts „Hintereis“ querten wir zurück zu den Pisten.  Das Glück war uns ziemlich hold gewesen, denn zügig war den Nebel aufgezogen bis wir zur die „Schöne Aussicht“ passiert hatten. Auf dem schon gewohnten Weg fuhren wir weiter bergab und waren in circa 20 Minuten zurück am Stellplatz.

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Fazit zur Skitour auf den „Im hinteren Eis“:

Herrliche Skitour im Schnalstal auf einen wanderbaren 3000er. Bei dem „Im Hinteren Eis“ handelt es sich um einen gletscherfreien Gipfel, sodass man auf die Hochtourenausrüstung verzichten kann. Dennoch führt die Tour über nicht ausschließlich über Pisten. Somit sind dementsprechende Lawinenausrüstung und Kenntnisse obligat. Das Essen auf der Hütte „Schöne Aussicht“ verdient das Prädikat absolut empfehlenswert. Wer nicht komplett von Kurzras aus aufsteigen möchte, kann mit den Liften abkürzen. Sollte man den Sessellift „Hintereis“ nutzen wollen, so muss man über den entweder zunächst ein Stück über die Piste abfahren um zur Bergflanke queren und dort aufsteigen zu können, oder man steigt noch oberhalb der Bergstation des Lifts noch ein Stück auf und quert über einen langen steilen Grat zum „Im Hinteren Eis“. Insgesamt eine schöne Skitour auf einen leichten 3000er Gipfel, deren Ausblick seines Gleichen sucht.

Daten & Fakten: 

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